07. bis 16. Oktober 2011

GALLIMARD: 1911-2011. EIN JAHRHUNDERT IM VERLAGSWESEN

Öffnungszeiten:
11 – 19 Uhr
Eintritt frei

www.gallimard.fr
www.institutfrancais.de

Weitere Infos bei:
Micheline Bouchez, Büro für Buch- und Verlagswesen, Botschaft der Republik Frankreich in Deutschland
ifha@institutfrancais.de

 

Unter seinem Dach schrieben (und schreiben) einige der ganz großen Autoren. Der französische Verlag Gallimard wird hundert Jahre alt. Eine Ausstellung gibt Einblicke in seine überreiche Geschichte.

Gide, Claudel, Aragon, Breton, Malraux, Michaux, Saint-Exupéry, Faulkner, Queneau, Yourcenar, Sartre, Camus, Duras, Genet, Ionesco, Kerouac, Le Clézio, Foucault, Pinter, Tournier, Kundera, Modiano, Pennac, Sollers … Beim Durchlesen eines einzigen Katalogs dieses Verlags könnte man ganz leicht eine Geschichte der französischen Literatur und Geistesströmungen des 20. Jahrhunderts schreiben.

Eine sehr beeindruckende Auswahl aus den verschiedensten Archiven des Verlags, unter anderem bisher unveröffentlichte Handschriften, sowie eine Auswahl an Briefen und Fotos sind zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. 

Veranstalter: Éditions Gallimard, Institut français

 

04. September bis 18. Oktober 2009

»Doppelleben. Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland«

Vernissage: 3. September, 19 Uhr

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 14 bis 20 Uhr
Sonntag: 12 bis 19 Uhr
Montag und Samstag geschlossen

Eintritt 5,- / 3,-

Hier finden Sie Informationen zu unserem Begleitprogramm.

Außerdem die Webseite zur Ausstellungr: www.doppelleben.org

Eine Ausstellung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Berlin sowie den Ausstellungspartnern Literaturhaus Frankfurt, Literaturhaus München, Freie Akademie der Künste Hamburg und weiteren Partnern.

www.deutscheakademie.de

Alfred Döblin 1947

Alfred Döblin, Ende 1945 aus der Emigration nach Deutschland zurückgekehrt, zu Besuch in Berlin 1947
(c) Bundesarchiv, Bild 183-S781110

Nach dem erfolgreichen Ausstellungs-Auftakt in Berlin zeigen wir vom 3. September bis 18. Oktober die Schau über das vielstimmige literarische Leben in Nachkriegsdeutschland und erweitert sie um neue Themen und Exponate. Dass dazu die erste Frankfurter Buchmesse 1949 gehört, liegt auf der Hand. So wird man die Bücher entdecken können, mit denen sich die Verlage selbst und ihr Programm für die neue Zeit präsentiert haben. Es wird gezeigt, was der Jugend an „Lesestoff“ angeboten und was im Deutschunterricht gelesen wurde. Die Volkshochschule Ulm wird als Laboratorium einer neuen demokratischen Kultur vorgestellt, von deren großen Entwürfen sich wenigstens einige in der später legendären Hochschule für Gestaltung Ulm umgesetzt haben. Auch an die Frankfurter Zimmergalerie und deren wichtige Rolle als Ort der Entdeckungen und des Austauschs zwischen den Künsten und Künstlern wird ausgehend von der Lesung Paul Celans am 5. Juni 1952 erinnert.

Dieser thematische Zuwachs eröffnet weitere Perspektiven auf das literarische, kulturelle Leben der Nachkriegszeit, dessen Ungleichzeitigkeiten und zuweilen unversöhnliche Gegensätze unübersehbar sind: die Vielstimmigkeit und Buntheit des kulturellen Aufbruchs stehen neben der fast bruchlosen Kontinuität der Zeit des Nationalsozialismus, in der schamlos eine ‚Innere Emigration’ geltend gemacht wurde. Der Hass, der einer Symbolfigur wie Thomas Mann entgegenschlug, ist ebenso symptomatisch wie die Tragik Alfred Döblins nach seiner Rückkehr Ende 1945. Auf der anderen Seite vollzieht sich der kometenhafte Wiederaufstieg von Gottfried Benn, der durch seine radikale und elitäre Ästhetik ebenso wie durch seinen stilisierten Solipsismus vielfältige Identifikationsmöglichkeiten bot. Die raren Ansätze selbstbestimmten Denkens – wie die in Dolf Sternbergers „Wandlung“ vertretenen – verpufften. In der Ostzone dagegen wirkten die totalitären Strukturen in anderer Form weiter: Der DDR-Kulturpolitiker Johannes R. Becher erwies sich seinen westdeutschen Kontrahenten Kasimir Edschmid und Frank Thiess gegenüber als ebenbürtig.

Unter der Benutzung der relevanten Archive in Ost und West versammelt die Ausstellung eine Fülle zum Teil unbekannter Materialien, um das Mit- und Gegeneinander der verschiedenen Akteure, die vielfältigen Initiativen des kulturellen Aufbruchs ebenso wie die Widerstände der alten und neuen Seilschaften vorzuführen. Erstmals werden auch Materialien zur Gründungsgeschichte der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung veröffentlicht, die – wie auch die Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur – ihren 60. Geburtstag feiert. Ihre Frühgeschichte zeigt wie in einem Brennspiegel den Geist der ‚Inneren Emigration’, des Kalten Krieges und der Bundesrepublik unter Konrad Adenauer. Die Ausstellung betont, wie mühsam es war, die von außen ermöglichten demokratischen Strukturen auszufüllen und zu behaupten. Sie ist nicht nur als eine historische Bestandsaufnahme gedacht, sondern zeigt auch, dass sich in der Nachkriegszeit und nach den zwei Staatengründungen Strukturen herausbildeten, die auch nach der Wiedervereinigung und bis heute wirksam sind.

Im Internet unter www.doppelleben.org kann die Ausstellung online besucht werden. Es ist ein Angebot insbesondere für Schülerinnen und Schüler, die sich mit dem Thema auseinandersetzen möchten. Auf der Internetseite finden sich auch Anregungen und Materialien, um den Besuch der Ausstellung beispielsweise im Unterricht vor- oder nachzubereiten. Zusätzlich bietet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung den Schülern der Sekundarstufe II und anderen Jugendlichen bis zum Jahrgang 1989 die Möglichkeit, sich mit eigenen Arbeiten über das literarische Feld der Nachkriegszeit an einem Wettbewerb zu beteiligen. Die Beiträge dazu können als Einzel-, Gruppen-, Klassen-, Kurs- und Seminararbeiten entstehen und bei der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung bis zum 11.12.2009 eingereicht werden. Ein eigener Bereich der Internetseite www.doppelleben.org ist diesem Wettbewerb gewidmet.

Kurator: Helmut Böttiger, Mitarbeit: Lutz Dittrich
Recherchen Frankfurt: Stephanie von Selchow, Jörg Stürzebecher, Wolfgang Schopf

Die Ausstellung wird nacheinander in mehreren deutschen Städten gezeigt und dort jeweils durch regionale Schwerpunkte erweitert. Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm begleitet die Ausstellung an allen Orten. Nähere Informationen dazu finden Sie ab August hier.

Die Fülle des Materials über das literarische Leben in Nachkriegsdeutschland ist in zwei Ausstellungsbänden versammelt: „Doppelleben. Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland“. Band 1: Begleitbuch zur Ausstellung erarbeitet von Helmut Böttiger unter Mitarbeit von Lutz Dittrich. Band 2: Materialien zur Ausstellung, herausgegeben von Bernd Busch und Thomas Combrink. Wallstein-Verlag. Göttingen, 880 Seiten, 526 Abbildungen, 29,- Euro.

Die Realisierung der Ausstellung und der Publikation werden gefördert durch die:
Kulturstiftung des Bundes, Hessische Kulturstiftung, Deutsche Stiftung für Sprache und Literatur, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Aventis-Foundation

Die Programmatischen Erweiterungen der Ausstellung in Frankfurt und Hamburg werden unterstützt durch die:
Fazit-Stiftung, Stiftung Polytechnische, Commerzbank und Zeit-Stiftung

  

 

01.dezember bis 19. dezember 2008

Foto-ausstellung: marion grÄfin dÖnhoff: reisebilder - fotografien und texte aus vier jahrzehnten

 

 

Marion Graefin Dönhoff

Foto: Marion Gräfin Dönhoff

Als politische Journalistin ist die langjährige Herausgeberin der „ZEIT“, Marion Gräfin Dönhoff, berühmt. Weniger bekannt ist, dass sie auch eine leidenschaftliche Fotografin war. Im Jahr 1928 bekam sie zum bestandenen Abitur eine Leica geschenkt. Sie fotografierte ihre Heimat Ostpreußen, Landschaften und Menschen. Später begleitete die Kamera die Reisende ins Baltikum oder 1935 zu einer abenteuerlichen Fahrt in einem weißen Cabrio quer durch Europa bis nach Albanien. Nach dem Krieg und dem Verlust der ostpreußischen Heimat begann Marion Dönhoff 1946 in Hamburg ein neues Leben. Sie wurde Journalistin und Mitbegründerin der „ZEIT“. Neben politischen Artikeln und Reisereportagen entstanden Fotos in Afrika, dem Vorderen Orient oder in Moskau, wohin sie 1955 Bundeskanzler Konrad Adenauer begleitete.

Die Eröffnung der Ausstellung fand am Freitag, den 28.11. um 19 Uhr im Literaturhaus statt. Die Begrüßung übernahm Friedrich Dönhoff.

Mit freundlicher Unterstützung der Dönhoff-Stiftung.

 

01. Oktober bis 12. Oktober 2008

Foto-Ausstellung: Die GemeinnÜtzige Hertie-Stiftung – fotografiert von Barbara Klemm

 

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Foto: Barbara Klemm

Barbara Klemm hat in ihren Fotografien einen Blick auf eine kleine Auswahl der Projekte geworfen, für die sich die Gemeinnützige Hertie-Stiftung engagiert. Die Fotografien entstanden im Jahr 2007 und sind in einem Kalender, in limitierter Auflage, für Freunde und Partner der Hertie-Stiftung veröffentlicht worden. Zu sehen sind sie im ersten Stock des Literaturhauses.

Eintritt frei

 

11. juli bis 03. august 2008

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Einen Film zur Ausstellung sehen sie hier:

www.artsite.tv/0829literaturhaus.html

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Stefan Kern, Bling Bling, Aluminium und Lack, 113 x 16 cm, 2008-06-11

28 StÄdelkÜnstler prÄsentieren ihre Arbeiten im Literaturhaus Frankfurt und knÜpfen damit an eine lange Ausstellungstradition an
Kuratorin: Juliane von Herz           

Von 1987 bis 2003 befand sich hier der „Portikus“, einer der wichtigsten Ausstellungsorte zeitgenössischer Kunst in Frankfurt mit internationaler Tragweite. Der Name geht zurück auf den einzigen erhaltenen Teil des kriegsversehrten Hauses, der ehemaligen Stadtbibliothek aus dem 19. Jahrhundert, hinter dem ein Container als Ausstellungsraum installiert wurde. Im berühmten „Container“ fanden 16 Jahre lang über hundert Ausstellungen statt – junge bedeutsame internationale Positionen von Dieter Roth bis Elmgreen & Dragset waren hier zu sehen. Durch die Anbindung des Portikus an die Städelschule bestand ein enger Austausch zwischen ausstellenden Künstlern und Studenten. Auch ehemalige Städelschüler wurden zu Soloshows in den Portikus eingeladen. 2005 fand hier das Frankfurter Literaturhaus nach einem rekonstruierenden neoklassizistischen Umbau eine neue Heimat. Der Portikus musste weichen und erhielt ein neues Domizil auf der Maininsel, startete somit ebenso wie das Literaturhaus in eine neue Ära. Die Ausstellung BOXER nimmt die veränderte Konstellation auf und positioniert sich bewusst an der Schnittstelle zwischen Literatur und Kunst.

In enger Kooperation mit dem Literaturhaus hat die Kuratorin Juliane von Herz die Idee zu dieser Ausstellung entwickelt. Thema ist das Verhältnis zweier anverwandter Gattungen – Literatur und Kunst. Viele der teilnehmenden Künstler erstellen neue konzeptgebundene und raumbezogene Werke und setzen sich mit der Historie des Ortes und seiner städtebaulichen Bedeutung auseinander. Andere begreifen den Ort als schlichten Ausstellungsraum und reagieren auf die rekonstruierte klassizistische Architektur. So konterkariert z.B. der inzwischen in Hamburg ansässige Bildhauer Stefan Kern mit seiner Aluminiumskulptur „Bling Bling“ die neugestalteten Kronleuchter, Peyman Rahimi installiert eine Gedenkfahne für den einstigen Ausstellungsort Portikus zwischen den Säulen im Eingangsbereich. Michael Pfrommer zeigt ein Konvolut an Zeichnungen zu der als „Pulp-Literature“ bezeichneten amerikanischen Vulgärliteratur, Dennis Loesch hat sich die Titelseiten von Kunstmagazinen vorgeknöpft, Naneci Yurdagül stellt ein Minarett als semantisches Abbild ins Foyer, Sergej Jensens Bild schließlich erinnert an das Cover eines Patricia Highsmith-Krimis, um nur einige Beispiele zu nennen.

Am Abend der Vernissage am 11. Juli hat die Künstlerin Adrian Williams aus Werken des Dada-Künstlers und Profiboxers Arthur Cravan gelesen.

Als Organisatorin und Initiatorin steht Juliane von Herz in einem intensiven Austausch mit den beteiligten Städelkünstlern und das aus tiefer Überzeugung. So von Herz: „Ich habe seit jeher ein großes Interesse an der Förderung junger Künstler; während meiner Zeit als Sammlungsbeauftragte für die Helaba unterstützten wir besonders Studenten der Städelschule, stellten ihnen u.a. Atelierräume zur Verfügung.“ Im Literaturhaus finden alle Beteiligten nun die Bedingung sowie die Möglichkeit, gemeinsam und unabhängig von Akademie und einer institutionalisierten Form des Kunstbetriebes, einen selbstbewussten Dialog mit dem öffentlichen Betrachter aufzunehmen. Viele der jungen Künstler haben Frankfurt mittlerweile verlassen, um in anderen deutschen Großstädten, vor allem Berlin, zu leben und zu arbeiten.

Künstler: Anne Lina Billinger / Shannon Bool / Sunah Choi / Andreas Diefenbach / Manuel Gnam / Thilo Heinzmann / Lena Henke / Sergej Jensen / Thomas Judin / Simone Junker / Stefan Kern / Max Kober / Andrei Koschmieder / Dennis Loesch / Flo Maak / Michael Moos / Stefan Müller / Martin Neumaier / Sarah Ortmeyer / Michael Pfrommer / Peyman Rahimi / Stehn Raupach / Anne Speier / Stephen Suckale / Jelena Trivic / Oliver Voss / Adrian Williams / Naneci Yurdagül.

Juliane von Herz leitete von 1996 bis 2003 das Kunstressort der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen. In diesen Jahren baute die Kunsthistorikerin für das Unternehmen eine Sammlung zeitgenössischer internationaler Kunst auf. Von 2003 bis 2006 arbeitete von Herz als freie Kuratorin und Sammlungsberaterin in London, seit 2006 in Frankfurt und Siena. Organisation zahlreicher Ausstellungen und künstlerischer Projekte sowie Beratung privater und institutioneller Sammler. www.julianevonherz.com

Die Ausstellung - eine Kooperation des Literaturhauses Frankfurt mit der Kuratorin Juliane von Herz - wird ermöglicht durch Ernst & Young und gefördert von Dewey Lebeouf LLP. Dank gilt auch der Unterstützung des Vereins der Städelschule Portikus e.V. und dem Portikus Frankfurt.

 

04. april bis 01. Juni 2008

Kippfiguren. Robert gernhardts Brunnen-Hefte

 

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Robert Gernhardts Brunnen-Hefte
Selbstporträt im 248. Heft, 30.09.-18.10.1990: »Selbst, abends am 16.10.«
Zeichnungen Robert Gernhardt Fotos: DLA Marbach/Chris Korner

 „Dieses Gedicht geht auf ein Erlebnis zurück, das ich mir selbst ausgedacht habe." Über 28 Jahre lang, vom Sommer 1978 bis zum 21. Juni 2006 – neun Tage vor seinem Krebstod –, notierte der Schriftsteller Robert Gernhardt seine Gedanken, Einfälle und Erlebnisse in 675 Schulhefte der Marke „Brunnen“. Auf Tausenden von DIN A 5-Seiten finden sich Wortreime und Wortspiele, Wortgemälde, Cartoons und Kritzeleien, die von den ebenso komischen wie traurigen, ironischen wie fantastischen Einfällen des Schriftstellers zeugen. Sie führen Gernhardts Talent als Maler und Schriftsteller, sein Gespür für den poetischen Einfall und seine Liebe zur Sprache vor Augen – ebenso wie seinen ironischen Umgang mit der eigenen Künstlerbiografie. In der Ausstellung wird eine Auswahl von 170 Heften aus dieser so intimen wie unbekannten Werkbiografie zu sehen sein.

49 Vitrinen bringen den Besuchern dieses private Oeuvre des Schriftstellers nahe. Wort und Bild sind nicht voneinander zu trennen: Lesend und schauend können die Besucher in den Heften, die das Deutsche Literaturarchiv Marbach gemeinsam mit Almut Gehebe-Gernhardt ausgewählt hat, die ersten Entwürfe bekannter Gedichte genauso entdecken wie die unbekannten Spuren von Gernhardts unaufhörlichem Versuch, die ästhetisch anrührenden Augenblicke des Lebens festzuhalten und die Logik der Sprache auf den Kopf zu stellen. Im Rundgang vom ersten bis zum letzten Heft, von 1978 bis zu seinem Tod 2006, werden Gernhardts Lebensthemen deutlich: die Suche nach Abglanz und Schatten der Ideen und Ideale; die Kraft, die Zeichen, Buchstaben und Striche haben, wenn sie, sparsam eingesetzt, eine ganze Welt aufs Papier bannen. Immer wieder beschreibt Gernhardt den Literaturbetrieb, berichtet von Lesereisen und Aufenthalten im toskanischen Montaio, widmet sich dem Sport und den Medien, reflektiert die Funktion der Kunst und des Witzes. In seinen Zeichnungen und Skizzen kehren die tote Natur, Tiere und Schatten, die Menschen seiner direkten Umgebung und das eigene Porträt, vor allem aber die eigene Hand, mmer wieder. Die Hefte dokumentieren so ein werkgewordenes Dichterleben und sind zugleich eine subjektive Chronik des bundesrepublikanischen Kulturbetriebs.

Vor allem in seinen letzten vier Lebensjahren versuchte der krebskranke Gernhardt, das Leiden im Leben künstlerisch zu fassen, die Veränderungen des eigenen Körpers zu zeichnen, seine Reflexionen über Zeit und Endlichkeit poetisch zu formulieren. Selbst dort, wo sein Tagebuch intim wird, bleibt der Chronist ganz Künstler: Die schreibende Selbstbefragung wird zur künstlerischen Formel, das Leben in größere, ästhetische Zusammenhänge zu übersetzen. Damit versinnbildlichen die „Brunnen“-Hefte eine zentrale Frage in Gernhardts Leben: Wie kann man Augenblicke des Lebens in Wort oder Bild festhalten, dass sie eine zeitenthobene Gegenwart gewinnen? Bereits im Jahr 1988 hatte Gernhardt in eines der Hefte notiert, „dass die Hefte die eigentliche Summe meiner Existenz darstellen, authentischer als Bilder und Bücher, da sie reine Bewegung sind und kein Ankommen – wohin und worauf immer diese Bewegung gerichtet ist“. Das Er-Schreiben der Welt ist, aus dieser Perspektive, nicht nur ein Versuch, die Welt und sich selbst intensiv wahrzunehmen, sondern auch, sich von ihr zu distanzieren – in der ironischen Brechung, im Reim, in der Sprache.

Robert Gernhardt, der zum letzten Mal am 19. November 2005 zu Gast im Deutschen Literaturarchiv Marbach war, entschied sich wenige Tage vor seinem Tod am 30. Juni 2006, seinen schriftlichen Vorlass nach Marbach zu geben. Die „Brunnen“-Hefte bilden die Vorhut seines Nachlasses, der bis Jahresende 2008 vollständig in Marbach angelangt sein wird.

Die Ausstellung wird vom Marbacher Magazin 120 begleitet:
Kippfiguren. Robert Gernhardts Brunnen-Hefte. Zwei Brunnen-Hefte von Robert Gernhardt im Faksimile und ein Essay von Kristina Maidt-Zinke. 2007. 146 Seiten, zahlreiche farbige Abb. Broschiert. 12,- Euro. ISBN 978-3-937384-34-4.

Eine Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs Marbach

Mit freundlicher Unterstützung von: Hertie Stiftung, Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Stadt Frankfurt, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, S. Fischer Verlag, Fazit Stiftung

 

 

08.11. bis 14.12.2007

ausstellung in der UniversiTÄtsbibliothek Frankfurt und dem Literaturhaus Frankfurt:
„anders denken – KrÄhen-Krimis und Zeitprobleme: Der Nest-Verlag von Karl Anders“

 

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Karl Anders 1961

Unter dem Titel „anders denken – Krähen-Krimis und Zeitprobleme: Der Nest-Verlag von Karl Anders“ fand eine zweigeteilte Ausstellung im Literaturhaus Frankfurt und der Universitätsbibliothek Frankfurt statt. Gezeigt wurde ein Querschnitt durch das Verlagswerk des Nest-Verlages. Anlass ist das Gedenken an den Verlagsgründer und verdienten Demokraten Karl Anders (SPD). Er wäre im Januar 100 Jahre alt geworden. Vom „Malteser Falken“ über vergnügliche Freizeitliteratur bis zum Sachbuch über die Nürnberger Prozesse spannt sich der Bogen der gezeigten Werke. Die ausgestellten „Krähen-Bücher“ sind die bedeutendste Krimireihe der Nachkriegszeit, viele davon sind wegen ihrer Verfilmungen (u.a. mit Humphrey Bogart) bekannt. Neben Büchern werden auch private Dokumente und Fotografien ausgestellt. Während im Literaturhaus der Schwerpunkt der Exponate auf den Krimis liegt, präsentiert die Universitätsbibliothek hauptsächlich die gesellschaftskritischen Sachbücher des Nest-Verlages. Realisiert wurde das Projekt durch Professor Dr. Patrick Rössler und Studierende der Universität Erfurt, das nach der Universitätsbibliothek Erfurt in Frankfurt seine zweite Station hat.

Der Katalog ist im Verlag Sutton erschienen: Patrick Rössler – „anders denken –- Krähen-Krimis und Zeitprobleme: der Nest-Verlag von Karl Anders“. Mit Beiträgen von Ann Anders, Herbert Ehrenberg, Alf Mayer und Sascha Münzel und einer Bibliografie der im Nest-Verlag erschienen Bücher (160 Seiten mit ca. 400 farbigen Abbildungen. Sutton Verlag Erfurt, ISBN: 978-3-86680-225-4, 19,95 €).

 

03.03. bis 15.04.2007

Hannah Arendt - Von den Dichtern erwarten wir Wahrheit
Eine Ausstellung Über Hannah Arendt und die Literatur
Erarbeitet von Barbara Hahn und Marie Luise Knott

 

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Hannah Arendt, 1972, © Jill Krementz
Abbildung aus dem Katalog

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Hannah Arendt 1972
Abbildung aus dem Katalog

Fällt Hannah Arendts Name, dann denkt man an Totalitarismus oder »Eichmann in Jerusalem«, aber weniger an Dichtung. Doch gibt es keine andere zeitgenössische Autorin, in deren theoretischem Werk literarische Texte eine so große Rolle spielen. Hannah Arendt denkt dichterisch. »Nur von den Dichtern erwarten wir Wahrheit (nicht von den Philosophen, von denen wir Gedachtes erwarten)«, so notiert sie in ihr Denktagebuch. In allen ihren Büchern spielen literarische Texte eine entscheidende Rolle: Die Studie über den Totalitarismus (1951; deutsch 1955) stützt sich auf Marcel Proust, Joseph Conrad und Franz Kafka. In die »Vita activa« (1958; deutsch 1960) sind zahllose Verse aus Gedichten von Goethe, Fontane, Rilke und Brecht gestreut.

Hannah Arendt hat eine Serie von biographischen Essays Schriftstellern gewidmet. Sie schrieb über Lessing und Brecht, dazu über Natalie Sarraute, Isak Dinesen, W.H. Auden und Randall Jarrell. In den Jahren, in denen sie als Lektorin für den Schocken-Verlag in New York arbeitete, machte sie die amerikanische Öffentlichkeit mit Wolfskehl, Kafka und Broch bekannt. Seit Elizabeth Young-Bruehls Biographie wissen wir, daß Hannah Arendt Gedichte schrieb; überliefert sind fast sechzig. Freundschaften mit Schriftstellern prägten vor allem die Jahre in den Vereinigten Staaten. Erinnert sei an Mary McCarthy, W.H. Auden, Randall Jarrell und Alfred Kazin. Theodore Weiss und Ludwig Greve widmeten ihr Gedichte. Uwe Johnson setzte ihr in seinen »Jahrestagen« ein Denkmal; Randall Jarrell und Arthur Cohen schrieben Romane, in denen sie – mehr oder weniger ›verschlüsselt‹ – auftritt. Von Martin Heidegger sind ganze Serien von Gedichtzyklen überliefert, die er für Hannah Arendt schrieb.

Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Verlag Matthes & Seitz Berlin: »Hannah Arendt - Von den Dichtern erwarten wir Wahrheit«, hg. von Barbara Hahn und Marie Luise Knott . (Texte aus dem Literaturhaus Berlin, Band 17) Ca. 220 Seiten, zahlreiche Abbildungen, broschiert; Euro 18,80 / sFr 32,80; ISBN 3-88221-921-1

Weitere Stationen:
Literaturhaus Berlin
Aspekte-Galerie im Kulturzentrum Gasteig, München
eine adaptierte Wanderausstellung soll im Deutsch-Russischen Haus in Kaliningrad, im New Europe College, Bukarest, in New York und an weiteren Orten zu sehen sein.

Die Ausstellung, der Katalog sowie das begleitende Programm werden durch die Kulturstiftung des Bundes in Halle ermöglicht; der Fazit-Stiftung danken wir für die Unterstützung des Projekts.

 

02.08. bis 17.09.2006

Robert Walser 1878 - 1956
Ausstellung zum 50. Todestag

 

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Gefördert durch die

ksb

Am 25. Dezember 2006 jährt sich der Todestag des Schweizer Schriftstellers Robert Walser (1878-1956) zum 50. Mal. Zu Lebzeiten weitgehend verkannt, gilt er heute als epochale Gestalt in der Literatur des 20. Jahrhunderts: Robert Walser wird mittlerweile in mehr als 30 Ländern gelesen; sein Werk ist lebendiger denn je. Das Literaturhaus Frankfurt präsentiert in Kooperation mit dem Robert Walser-Archiv Zürich und dem Literaturhaus Berlin eine Ausstellung zu Leben und Werk des Autors. Dazu werden Räume geschaffen, die den Besuchern ein unmittelbares Empfinden für die prägenden Erfahrungen in Walsers Leben und Werk vermitteln sollen. Vorgesehen sind fünf Bereiche: das Büro, das Theater, die Mansarde, der Spaziergang und die Klinik. Das Zentrum der Ausstellung wird die Installation einer Schatzkammer bilden, die Walsers Manuskriptwelt birgt.

Als Robert Walser vor 50 Jahren - am Weihnachtstag des Jahres 1956 - auf einem einsamen Spaziergang im Schnee starb, war nichts unwahrscheinlicher, als daß sein Werk noch einmal größere Verbreitung und Resonanz finden würde. Seine letzten 27 Lebensjahre hatte er in psychiatrischen Kliniken verbracht – als Autor verstummt und als Mensch nahezu vollständig vergessen.

Und doch trat das Unwahrscheinliche ein: Ab Mitte der 1960er Jahre begann man sein Werk neu zu entdecken, und es sollte eine Entdeckungsgeschichte besonderer Art werden. Auch heute, da sein Werk zur Weltliteratur zählt und in mehr als zwei Dutzend Sprachen vorliegt, ist sie noch nicht abgeschlossen. Denn Walsers Texte waren vielfach nur in Zeitungen und Zeitschriften erschienen - das meiste unendlich verstreut, vieles verschollen oder nur durch Zufall wieder auftauchend. Auch von seiner Biographie, die sich abseits der gesellschaftlichen Zentren abspielte, haben sich nur äußerst spärliche Zeugnisse erhalten.

So gehört es zu Robert Walser, daß ein besonderes Geheimnis um ihn ist und um ihn bleiben wird. Dies um so mehr, als er in seinen Texten zwar meist von sich selbst spricht, dabei aber mindestens ebenso viel verhüllt wie offenbart. Und diese Texte gehören nicht zur erzählenden Literatur im üblichen Sinn; interessant sind sie nicht wegen ihrer Handlung oder wegen ihrer Stoffe - darum kümmert sich Walser wenig bis gar nicht. Sein Schreiben spürt vielmehr etwas Unschein­barerem und zugleich Wesentlicherem nach: Wie sich das Leben als solches anfühlt, in seiner scheinbar banalen Alltäglichkeit und tiefsten Eigentümlichkeit.

Es bedeutet daher eine besondere Herausforderung, das Leben und Werk eines solchen Autors zum Gegenstand einer Ausstellung zu machen. Walser schrieb, wie er selber lächelnd bekannte, „über alles“, doch entscheidend ist dabei nicht das Was, sondern das Wie. Mit einer säuberlichen Präsentation archivalischer Dokumente in Vitrinen dürfte das Wesen dieses Autors deswegen kaum erfahrbar gemacht werden können. Die Ausstellungsmacher haben sich deswegen entschlossen, einen anderen Weg zu gehen und fünf Räume zu inszenieren, die für Walsers Leben bedeutsam waren.

Am Anfang steht die Welt des Büros, in die Walser als junger Mann eintrat. Bis zu seinem 27. Lebensjahr verdiente er als „Commis“ in Banken und Versicherungen sein Auskommen. Das Leben der Angestellten und die Atmosphäre der Schreibstuben hat er über Jahre hinweg erfahren und literarisch gestaltet.

Sein privates Leben spielte sich dagegen in Mansarden ab. Bis zu seiner psychiatrischen Internierung führte Walser die Existenz eines möblierten Zimmerherrn. In vielfach wechselnden Dachstuben entstand ein Großteil seines dichterischen Werks.

Zu seinen großen Passionen zählte daneben das Theater. Seinen frühen Wunsch, Schauspieler zu werden konnte er zwar nicht realisieren, doch das Theater blieb für ihn – zumal während seiner Berliner Jahre – ein fortwährendes Faszinosum. Die Ausstellungsbesucher können deswegen in einen kleinen Theaterraum eintreten, in dem der Bühnenprospekt nachgebildet ist, den Robert Walsers Bruder Karl 1905 für die Eröffnungsvorstellung von Max Reinhardts Deutschem Theater in Berlin schuf.

Am liebsten aber bewegte sich Walser im Freien; er ist der Spaziergänger in der Welt der Literatur. Der Weg durch die Ausstellung verläuft deswegen unter Bäumen. Und er endet an einem Raum, der nicht betreten, sondern in den nur hineingeschaut werden kann: die psychiatrische Klinik, wo Walser mehr als zwei Jahrzehnte nichts anderes tat als Papiertüten kleben, Schnüre drehen und Hülsenfrüchte verlesen.

Das Zentrum der Ausstellung aber bildet eine „Schatzkiste“ – ein kleiner Vitrinenraum, in dem die Besucher die Welt von Robert Walsers Handschriften erleben können. Walser war nicht nur ein Schriftkünstler, dessen Manuskripte allesamt von bezaubernder Anmut sind. Er hat darüber hinaus auch 526 Blätter hinterlassen, die in der Welt der Dichterhandschriften einzigartig sind: seine „Mikrogramme“. Eine größere Anzahl dieser Winzigschrift-Manuskripte, die man lange für unentzifferbar hielt, sind in der Ausstellung im Original zu sehen.

Weitere Stationen:
Literaturhaus Berlin: 28.09.-19.11.2006
Nationalbibliothek Prag: 29.11.2006 – 7.1.2007
Zentrum Paul Klee, Bern: 27.1. – 25.2.2007

Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Stiftung Pro Helvetia, Zürich und die Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr.

 

04.03. bis 09.04.2006

"Der Tod ist ein Irrtum": installation von Brigitte Maria Mayer

 

video Videodurchsicht / Ausstellung

 

DIE INSTALLATION
Die Installation „Der Tod ist ein Irrtum“ besteht aus drei Räumen: die Kugel, das Werk, Geschlechter. Ihr Material sind Photographien und Manuskripte der ge­meinsamen Jahre, exemplarische Reflexionen des eigenen Lebens aus Dramen/ Texten von Heiner Müller zu Tonkollagen montiert (gesprochen von Corinna Harfouch, Ulrich Matthes, Inge Keller) sowie Szenenentwürfe und Videos der Künstlerin zu Stücken von Heiner Müller.

DAS BUCH
Die Photographin und Performance-Künstlerin Brigitte Maria Mayer, Frau des Dramatikers Heiner Müller, der 61-jährig am 30. Dezember 1995 starb, hat private Polaroids, Photos, Skizzen, Notizen, Textfragmente und Gedichte aus den letzten gemeinsamen Jahren zu einer Collage des Abschieds montiert . Daraus ist ein faszinierendes, sehr persönliches Buch entstanden mit dem Titel „Der Tod ist ein Irrtum“, das im Herbst 2005 im Suhrkamp Verlag erschien. Es ist ein sehr privates Photobuch geworden, das für einige von verstörender Intimität sein mag. Aber, man kann persönlich werden, wenn eine Form gefunden ist, die dem Betrachter das Gefühl nimmt, in allzu privates Fühlen und Sehen hineingezogen zu werden. Die photographische Wiedergabe von Brigitte Maria Meyer grenzt meisterhaft an Malerei und erzählt fast biblisch von den Lebensstationen: Liebe, Arbeit und Tod. Basierend auf dem Buch hat die Künstlerin eigens für die Räume des Literatur­hauses im ersten Stock eine Installation konzipiert.

www.brigitte-maria-mayer.de

Pressestimmen:

Im Frankfurter Literaturhaus ist eine ungewöhnliche Installation zu besichtigen; Brigitte Maria Mayer hat dort das obere Geschoß eingenommen mit „Der Tod ist ein Irrtum“. Es ist ein Epitaph entstanden, ohne jede Verleugnung der eigenen Künstlerschaft. (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.3.2006)

Aus Privatfotos, Notizen, Typoskripten stellte Mayer im vergangenen Jahr einen Bildband zusammen – eine zutiefst persönliche Collage, aber in der Tat als Liebes- und Todesgeschichte so berührend, dass auch andere Liebende und Nicht-Liebende etwas davon haben. (Frankfurter Rundschau, 6.3.2006)

Eigens für das Literaturhaus konzipiert, basiert die Ausstellung auf dem zum zehnten Todestag (Heiner) Müllers bei Suhrkamp erschienenen, gleichnamigen Buch. Es ist ein berührendes Dokument der kurzen Zeit, die dem Künstlerpaar,..., blieb. (Welt kompakt, 9.3.2006)

„Der Tod ist ein Irrtum“ ist ein einzigartiges Buch. Ebenso wie die gleichnamige Installation im Frankfurter Literaturhaus. So einzigartig macht sie ihre Vielschichtigkeit. Mit geradezu brachialer Wucht erzählen beide von den Elementarteilchen des Lebens: von der Geburt, von der Liebe und vom Sterben. (Main Echo, 18./19.3.2006)

 

07. bis 18.12.2005

Rebecca Horn: Fotomalereien zu „Das Lamm“

 

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Rebecca Horn "Das Lamm"

Martin Mosebach gehört zu den gar nicht so seltenen Schriftstellern, die ihre Bücher (noch?) mit der Hand schreiben. Er hat diese Gewohnheit auf die Spitze getrieben, indem er für seine Manuskripte eine besonders kleine Handschrift angenommen hat: Eine Manuskriptseite ergibt bei ihm zehn Typoskriptseiten. Als die Künstlerin Rebecca Horn Mosebachs Manuskript „Das Lamm“, die Vorlage für seinen Roman „Eine lange Nacht“, sah, war sie von dessen graphischer Qualität so begeistert, daß sie sich entschloß, ein Kunstprojekt daraus zu machen. Rebecca Horn inszenierte und fotografierte die Geschichte der langen Nacht an den Originalschauplätzen in Frankfurt am Main. Aus diesem Material entstanden 24 Fotomalerein. Der Kunstbuchverleger Hans Werner Holzwarth ließ das Mosebach-Manuskript und die Horn-Arbeiten faksimilieren und veröffentlichte ein Künstlerbuch mit einer Auflage von 350 Exemplaren.

 

07.11. bis 28.12.2005

"ETWAS LICHT. BILDER AUS DEM OSTEN"
PHOTOAUSSTELLUNG MIT BILDER VON BARBARA KLEMM UND PÉTER NÁDAS

 

Postkarte zur Ausstellung

Péter Nádas schreibt nicht nur, er ist auch Photograph. Erstmals zeigt er seine Arbeiten gemeinsam mit Barbara Klemm, einer der bekanntesten Portraitphotographinnen Deutschlands. Die Ausstellung, die auf Anregung des Literaturhauses Frankfurt entstand, zeigt Aufnahmen aus dem Osten. Die beiden Künstler eröffnen die Ausstellung, Péter Nádas liest im Anschluß.
Péter Nádas, geboren 1942 in Budapest, absolvierte zunächst ein Chemiestudium und arbeitete dann lange als Photograph und Photoreporter. 1967 veröffentlichte er einen ersten Band mit Erzählungen. Seine Arbeiten beschäftigen sich hauptsächlich mit der Situation im kommunistischen Ungarn. Nádas galt während der Zensur als unerwünschter Autor. Sein "Ende eines Familienromans" (1979) konnte lange Zeit in Ungarn nicht erscheinen. Hauptwerk ist der rund 1300 Seiten umfassende Roman "Buch der Erinnerung" (1986) mit drei ineinander verwobenen Erzählsträngen, von denen zwei in der DDR der 70er Jahre und einer im Ungarn der 50er Jahre spielen. Péter Nádas ist Träger des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur (1991) und erhielt u.a. 1995 den Leipziger Buchpreis. In Vorbereitung ist beim Berlin Verlag die Übersetzung seines neuen Romans "Parallelgeschichten".