dekaBank Preis des LiteraturHauses frankfurt 2008 an cao weidong
Preisverleihung an Cao Weidong am 18.9.2008 / Foto Fritz Philipp
Der DekaBank-Preis des Literaturhauses Frankfurt zur Förderung der deutschen Literatur und Wissenschaft im Ausland 2008 ging am 18. September 2008 an Cao Weidong. Der chinesische Wissenschaftler, Übersetzer und Vermittler wurde für sein erfolgreiches Schaffen bei der Verbreitung der Werke der Frankfurter Schule in China ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Axel Honneth, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt.
In der Jurybegründung heißt es: "Der Philosoph, Soziologe und Literaturwissenschaftler Cao Weidong hat in dem vergangenen Jahrzehnt eine einzigartige Vermittlertätigkeit in Beijing ausgeübt. Dies ist ihm sowohl als Hochschullehrer, als auch als Übersetzer und Koordinator mit den chinesischen Verlagen gelungen. Die Bedeutung der Frankfurter Schule, die Rezeption der Werke von Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Walter Benjamin, Herbert Marcuse und Axel Honneth wäre ohne das Wirken von Cao Weidong nicht denkbar. In ganz besonderer Weise hat er es vermocht, die Übersetzungen der Werke von Jürgen Habermas in ihrer Gesamtheit zur Rezeption in China zu bringen. Das betrifft nicht nur die Übersetzungen, sondern auch die eigenen Buchveröffentlichungen von Cao Weidong über die Frankfurter Schule und seine Lehre an der Beijing Normal University. Die Auszeichnung von Cao Weidong soll den Diskurs zwischen China und Deutschland beflügeln."
Der zum fünften Mal verliehene Preis dient der Förderung deutscher Literatur und Wissenschaft im Ausland. „Die Rezeption der wichtigsten Werke der Frankfurter Schule in China ist aufs Engste mit Cao Weidong verknüpft“, erklärt Silke Schuster-Müller, Leiterin des Gesellschaftlichen Engagements der DekaBank. „Sein Verdienst ist, dass die Kritische Theorie auch einem chinesischen Publikum zur Verfügung steht.“
„Über den DekaBank-Preis des Literaturhauses Frankfurt freue ich mich sehr – er ist eine große Überraschung und Ehre“, so Cao Weidong. „Der Preis ist für mich sowohl Anerkennung meiner langjährigen Übersetzungen deutscher gegenwärtiger Philosophie und Auseinandersetzung mit deutschen philosophischen Werken, als auch neue Motivierung bei der Einführung deutscher Philosophie in China. Der DekaBank-Preis fördert den Dialog zwischen deutscher und chinesischer Kultur.“
Die von der DekaBank gestiftete Auszeichnung, die mit 25.000 Euro dotiert ist, erhielt Cao Weidong für seine mehr als 10jährige Vermittlertätigkeit zwischen den literarischen Welten der beiden Länder. „Wie kein anderer hat Cao Weidong in den letzten beiden Jahrzehnten dazu beigetragen, die intellektuellen Barrieren zwischen China und Deutschland zu verringern und erste Ansätze eines fruchtbaren Dialogs zu initiieren. Erst durch seine Verdienste sind wir heute allmählich dazu in der Lage, uns über das Gemeinsame und das Trennende zwischen den beiden Kulturen zu verständigen“, betont der Laudator Prof. Dr. Axel Honneth.
Und Dr. Maria Gazzetti, Programmleiterin des Literaturhauses Frankfurt, ergänzt: „Man könnte es pathetisch auch so formulieren: Cao Weidong hat sich der Aufklärung und der Kritik der Aufklärung zugleich verschrieben. Das Literaturhaus Frankfurt freut sich, Cao Weidong in Frankfurt mit dem DekaBank-Preis zu ehren, in der Stadt, in der sein Dialog zwischen Kulturen gedanklich seinen Ursprung fand – zu einem Zeitpunkt als China noch nicht in die globale Welt integriert war.“
Dekabank Preis 2007 an Sezer Duru (Laudatio jutta limbach)
Preisverleihung an Sezer Duru am 22.6.2007/
Foto: Michael KretzerJurybegrÜndung
„Sezer Duru ist, in vielerlei Funktionen und mit einem außerordentlichen Spektrum von Tätigkeiten und Initiativen, die herausragende Vermittlerin deutschsprachiger Literatur in der Türkei. Seit Jahrzehnten ist sie als Übersetzerin deutscher Literatur tätig und hat unter anderem Werke von Brecht, Frisch, Handke, Lenz, Enzensberger und Bernhard ins Türkische übertragen. Als langjährige Mentorin des Berliner Stipendiatenprogramms des DAAD in Istanbul hat sie zahlreiche Ausstellungen, Konferenzen und Begegnungen zwischen türkischen und deutschen Schriftstellern organisiert. Von 1965 bis 1990 war sie für ARD und ZDF als freie Berichterstatterin aus der Türkei tätig. Seit 1982 ist sie Vorstandsmitglied des türkischen P.E.N. und von 2005 bis Mai 2007 dessen Generalsekretärin. Sezer Duru ist Mitherausgeberin der türkischen Übersetzungen deutscher Belletristik und Sachbücher, die im Rahmen des von der S. Fischer Stiftung initiierten Projekts „Adimlar“ derzeit und in den nächsten Jahren in der Türkei erscheinen. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und den deutschen Literaturhäusern organisiert sie, mit Blick auf den Gastlandauftritt der Türkei auf der Frankfurter Buchmesse 2008, ein deutsch-türkisches Stadtschreiberprojekt, bei dem die deutschen Autorinnen und Autoren vor allem in den östlichen, multikulturell geprägten Landesteilen der Türkei auftreten werden. Vor dem Hintergrund der Diskussion um einen EU-Beitritt der Türkei und mit Blick auf die wachsende Bedeutung der deutsch-türkischen Kulturaustauschs, wie sie sich etwa in der „Ernst-Reuter-Initiative“ spiegelt, kommt der Tätigkeit von Sezer Duru und damit auch dieser Auszeichnung eine kulturpolitische Bedeutung zu. Sezer Duru setzt sich, im Medium der literarischen Übersetzung und des Literaturaustauschs zwischen der Türkei und Deutschland, für ein tieferes wechselseitiges Verständnis der beiden Länder und für eine weitere Öffnung der türkischen Gesellschaft für die Werte des europäischen demokratischen Zusammenlebens – Toleranz, Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit – ein.“
Dekabank Preis 2006 an Alain Lance (laudatio Volker Braun)
Preisverleihung an Alain Lance am 23.9.2006/
Foto: Michael KretzerJurybegrÜndung
„Als Übersetzer der Werke von Christa Wolf, Volker Braun und Ingo Schulze hat Alain Lance Maßstäbe im Bereich literarischer Übersetzungen gesetzt. Darüber hinaus hat er im Zusammenspiel mit den französischen Verlagen die Verbreitung deutscher Literatur unablässig und nachhaltig begleitet. Als langjähriger Leiter der Maison des Écrivains hat er durch regelmäßige Lesungen deutscher Autoren in Paris das Interesse an deutscher Literatur in vorbildlicher Weise gefördert. Als Leiter französischer Kulturinstitute auch in Frankfurt und Isfahan hat Alain Lance lange bevor multinationales Kulturmanagement zum Schlagwort wurde in vielfacher Weise für den Austausch unter den Kulturen gewirkt. In Frankreich begleitet er iranische Exilautoren auf ihren Lesereisen. Seit 1970 hat er als Lyriker mehrere Gedichtbände veröffentlicht, die mit Preisen ausgezeichnet und von Volker Braun, Ludwig Harig und Eugen Helmlé ins Französische übertragen wurden. Die Auszeichnung von Alain Lance soll auch zeigen, wie sehr das deutsch-französische Verhältnis als bilaterales Engagement für die Literatur in der Person des Preisträgers kulturübergreifend wirkt und damit eine Vorbildfunktion erfüllt.“
DekaBank-Preis 2005 an TamÁs MiklÓs (Laudatio GyÖrgy KonrÀd)
Preisverleihung an Tamás Miklós am 10.10.2005
JurybegrÜndung
"Tamás Miklós setzt sich seit über zwei Jahrzehnten in herausragender Weise für die Verbreitung und Übersetzung der Werke deutschsprachiger Philosophen in Ungarn ein. Als Verleger des Atlantisz Verlages in Budapest hat er ca. 40 humanwissenschaftliche Werke aus der deutschen Sprache in der von ihm gegründeten Reihe "Deutsche Geisteswissenschaftliche Bibliothek" herausgegeben: Kant, Hegel, Nietzsche, Wittgenstein, Adorno, Horkheimer, Benjamin, Buber, Scholem, Marquard, Assmann und Habermas. Die Rezeption der deutschen Philosophie in den vergangenen 15 Jahren hat in Ungarn und im gesamten mittel-und osteuropäischen Raum durch die Initiativen von Tamás Miklós eine neue Blüte und Bedeutung erfahren. Mit Tamás Miklós ehrt die Jury den Wissenschaftler und Verleger, den Initiator zahlreicher europäischer Buchreihen, den Initiator der Städtepartnerschaft Frankfurt-Budapest, einen networker und globalplayer moderner Prägung, einen profunden Kenner der europäischen Geisteswissenschaft mit der tiefen Verwurzelung in einem unabhängigen Europa."
DekaBank-Preis 2004 an Michael Hofmann (Laudatio Durs GrÜnbein)
Preisverleihung an Michael Hofmann am 9.2.2004
JurybegrÜndung
„Michael Hofmann setzt sich seit über zwei Jahrzehnten in herausragender Weise als Übersetzer, Rezensent, Herausgeber, Hochschullehrer und Berater führender Verlage für die Vermittlung deutschsprachiger Literatur in der englischsprachigen Welt ein. Dank seines hohen persönlichen Engagements und großen sprachlichen Vermögens sind unzählige englischsprachige Leser mit den Werken von Bertolt Brecht, Wolfgang Koeppen, Joseph Roth, Herta Müller, Patrick Süskind, Durs Grünbein, Ernst Jünger und vielen anderen Autoren der klassischen Moderne und der Gegenwart vertraut geworden. Mit Michael Hofmann zeichnet die Jury einen Vermittler deutschsprachiger Literatur im Ausland par excellence aus.“
der DekaBank-Preis des literaturhauses frankfurt
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Erstmals im September 2004 wurde der „DekaBank-Preis des Literaturhauses Frankfurt zur Förderung der deutschen Literatur und Wissenschaft im Ausland“ verliehen. Der von der DekaBank gestiftete, mit 25.000 Euro dotierte Preis, wird jährlich vom Literaturhaus Frankfurt vergeben und soll Kulturvermittler ins Blickfeld rücken, die Herausragendes meist im Verborgenen leisten.
Die erste Auszeichnung erhielt der in England beheimatete Dichter und Übersetzer Michael Hofmann für seine konsequenten und dauerhaften Bemühungen um die Verbreitung der deutschsprachigen Literatur. Der zweite Preis ging 2005 an den ungarische Verleger, Wissenschaftler, Übersetzer und Autor Tamás Miklós für seine Verdienste um die Vermittlung der deutschen Philosophie, Sozial- und Geisteswissenschaften. 2006 wurde der französische Übersetzer, Kulturvermittler und Dichter Alain Lance für seine jahrzehntelangen und erfolgreichen Bemühungen um die Verbreitung der deutschsprachigen Literatur in Frankreich und den frankophonen Ländern in Afrika und der Karibik mit dem Preis geehrt. 2007 erhält ihn die türkische Übersetzerin und Autorin Sezer Duru.
Maria Gazzetti, Leiterin des Literaturhauses und Jurymitglied: „Der DekaBank-Preis würdigt Grenzgänger, die auf einzigartige Weise zwischen den Literaturen stehen. Die Literaturbiennale und der Preis machen deutlich, daß die deutsche Literatur und ihre Rezeption im Ausland aus ihrer defensiven Position herausgetreten sind.“
Der Jury gehören an: Christoph Bartmann (Leiter der Abteilung Wissenschaft und Gesellschaft Goethe-Institut), Maria Gazzetti (Programmleiterin Literaturhaus Frankfurt), Petra Christina Hardt (Leiterin Rechte und Lizenzen Suhrkamp Verlag), Peter Sillem (Programmleiter Sachbuch/Wissenschaft S. Fischer Verlag) sowie der jeweilige Preisträger des vergangenen Jahres.
Der erste DekaBank-Preis des Literaturhauses Frankfurt wurde im Rahmen der „Frankfurter Literaturbiennale - deutsche literatur im ausland“ verliehen. Im September 2004 trafen sich Verleger, Übersetzer, Kritiker und Journalisten aus 20 Ländern und behandelten in Vorträgen und Diskussionen spezifische Fragestellungen der Vermittlung deutschsprachiger Literatur und ihrer Rezeption im Ausland. Die Literaturbiennale widmet sich nicht nur einer theoretischen Bearbeitung des Themas, sondern bietet Vermittlern, Literaten und Interessierten Gelegenheit und Raum, sich persönlich zu treffen und über mögliche Projekte auszutauschen.
Vom 21. bis 23. Juni 2007 findet die zweite Frankfurter Literaturbiennale statt.