
Laurence Sterne
Peter Heusch liest Laurence Sterne: „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ 20. Fortsetzung
Der Autor bleibt auf einigen seiner Bände sitzen, der Autor ist krank, der Autor will uns dennoch endlich die Geschichte von Onkel Tobys Liebeshändel mit der Witwe Wadman erzählen. Sorgsam und Jahr für Jahr im selben Ritual zieht sich die Witwe ihr Nachthemd bis über die Füße: sackähnlich und gegen jeden eventuellen Zugriff von außen gewappnet. Doch eines Tages stößt sie den Sack auf, häutet sich gleichsam, um sich der Liebe zu Onkel Toby zu öffnen. Doch dieser ist noch frei von jedem Liebesgedanken und muss erst – eingeschlossen in seine Fortifikationen auf dem Bosselplatz – erobert werden. Strategien sind gefragt – das Schilderhaus ist der Ort erster Annäherung und vorsichtiger Fingerspiele. Die Kerze muss zugleich am oberen wie am unteren Ende angezündelt werden, Mrs Wadman gelingen erste Einbrüche in die unzulänglich bewaffneten Frontlinien des Capitäns Shandy.
Aber auf der Strecke der Courmacherei bringt uns die unentwegt beginnende Geschichte „Der König von Böhmen und seine sieben Schlösser“ des Korporals Trim aus der Richtung – ob wir wollen oder nicht: Wir müssen ihr folgen, wiewohl Onkel Toby die Geschichte ständig unterbricht –!
Eintritt 6,- / 3,50
eine veranstaltung fÜr mitglieder des literaturhausvereins
Am jeweils ersten Dienstag des Monats - Ausnahme ist der Januar - trifft sich um 19.30 Uhr der Lesezirkel im gelben Raum des Literaturhauses. Interessierte Mitglieder des Literaturhausvereins sind hierzu jederzeit herzlich eingeladen. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gerne an Claudia Gehricke unter CGehricke@online.de oder Hans Erhard Haverkampf unter vchav@t-online.de
Im Januar steht der Roman „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow, im Februar Herta Müllers „Atemschaukel“ auf dem Programm.
Der nächste Termin ist der 2. Februar 2010
Der Eintritt ist frei.
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Foto: Wonge Bergmann
Michael Rohrwasser im GesprÄch mit Stephan Gregory und Lorenz JÄger
„Der Deutsche, der von den Freimaurern hört, wird ‚Verschwörungstheorie!’ sagen und abwinken. Er wird sich an die Halluzinationen von Büchners Woyzeck erinnern, an den armen Stadtsoldaten, den Mörder seiner Geliebten, der auf dem Feld vor der Stadt etwas sieht, zu sehen meint: ‚Andres, das waren die Freimaurer, still!’“. Mit diesen Zeilen beginnt Lorenz Jäger sein Buch „Hinter dem Großen Orient – Freimaurerei und Revolutionsbewegungen“, 2009 im Karolinger Verlag erschienen: „Wer über den Anteil der Freimaurer an den neueren Revolutionen urteilen will, so schreibt er, darf nicht nur auf den deutschen Raum schauen.“ In Frankreich und von dort ausgehend in die romanischen Länder fanden die Revolutionäre ihre Rekrutierungsräume und legale Deckung in der Großloge des „Grand Orient“. Jenseits der konterrevolutionären Pamphletistik und zugleich frei von der eingespielten Abwehr angeblicher „Verschwörungstheorien“ schildert Lorenz Jäger in seinem Buch die tatsächlichen, aus den Quellen dokumentierten Beziehungen zwischen den Revolutionären des 19. und 20. Jahrhunderts und den Logen.
„Wie schwer es ist, befriedigende Aufschlüsse über geheime Verbindungen zu geben, fühlt man erst dann, wenn man sich darüber erklären will; denn durch die Kürze wird die Sache dunkel, und durch die Weitläufigkeit verwirrt“, zitiert Stephan Gregory in seinem Buch „Wissen und Geheimnis“ den Kanonikus Jakob Anton Hertel, der Mitglied des Illuminatenordens war. Der Geheimbund der Illuminaten wurde 1776 an der Universität Ingolstadt gegründet und 1784 von den bayerischen Behörden aufgedeckt. Während sich die bisherigen Forschungen auf die Frage nach den geistes-, sozial- oder politikgeschichtlichen Bedeutungen der Geheimbünde konzentriert haben, rekonstruiert Stephan Gregory die Welt der Illuminaten aus den Mechanismen ihres Funktionierens. Als Inbegriff verborgener, ortloser Macht zeigte diese Geheimgesellschaft an, was die grundlegende Qualität moderner, bürokratischer Herrschaft sein wird. Das Buch ist im Stroemfeld Verlag erschienen.
Michael Rohrwasser wird mit den beiden Autoren über ihre Bücher diskutieren. Er ist Professor für Neue deutsche Literatur an der Universität Wien, war Gastprofessor in Stanford (USA) und Autor zahlreicher Beiträge u. a. in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der ZEIT und der Frankfurter Rundschau.
Eintritt 6,- / 3,50

Alexander Puschkin
Vorwort, Einleitung und ein Kommentar von Vladimir Nabokov
ErlÄuterung und Kommentar: Sabine Baumann
Lesung: Felix von Manteuffel
Vladimir Nabokov, russischer und amerikanischer Schriftsteller, wurde mit seinem Roman „Lolita“ weltberühmt. Weniger bekannt ist, dass er sich während seines lebenslangen Exils intensiv als Übersetzer zwischen verschiedenen Sprachen betätigte. 1949 begann Nabokov seine bewusst auf Reime verzichtende Übersetzung von Alexander Puschkins Versroman „Eugen Onegin“. Dazu schrieb Nabokov einen hier erstmals auf Deutsch vorgelegten Kommentar. Mit Abstand das zeitaufwendigste und umfangreichste all seiner Werke, ist es zugleich Höhepunkt seines übersetzerischen Schaffens. „Ich werde als Verfasser von „Lolita“ und mit meiner Arbeit über Eugen Onegin in Erinnerung bleiben“, prophezeite Vladimir Nabokov 1966 in einem Interview. Für die deutsche, zweibändige Ausgabe, erschienen im Verlag Stroemfeld, wurde Puschkins Originaltext von Sabine Baumann unter Mitarbeit von Christiane Körner aus dem Russischen in zeilengetreue Prosa übertragen. Nabokovs Kommentar hat Sabine Baumann aus dem Englischen übersetzt.
Eintritt 6,- / 3,50
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Foto: privat
BegrÜssung: Sabine Baumann, SchÖffling Verlag
„Das zweite Buch ist eh immer Kacke“, stellt Markus Orths in seinem neuen Roman „Hirngespinste“ fest, in dem er jenen Markus Kranich wieder zum Leben erweckt, der 2003 in seinem „Lehrerzimmer“ als Studienassessor über die Absurdität des Schulbetriebs berichtete. Die Handlung von „Hirngespinste“, erschienen im Verlag Schöffling & Co., schließt unmittelbar an das Ende des ersten Romans an und Kranich sieht sich vor die schier unlösbare Aufgabe gestellt, seinem Erfolgsroman ein zweites Buch folgen zu lassen. Als alle Versuche scheitern und ihm kein Thema für einen weiteren Roman einfällt, versucht Kranich mit Hilfe moderner Hirnforschung sein kreatives Potenzial in neue Bahnen zu lenken. Markus Orths beschreibt voller Ironie und bei aller Komik durchaus glaubhaft die Versuche eines Autors, im Literaturbetrieb zu überleben.
Eintritt 6,- / 3,50

Schreibzimmer 2009 – Ein Abschlussabend
Moderation: Matthias GÖritz und Harriet KÖhler
Über siebzig junge Menschen aus ganz Deutschland haben „Gereimtes und Ungereimtes“ aus den Schubladen geholt und sich damit beim Schreibzimmer 2009 beworben. Keine leichte Aufgabe für die beiden Autoren und Leiter des Schreibzimmers, Matthias Göritz und Harriet Köhler, hier eine Auswahl zu treffen. 25 Nachwuchs-Schriftsteller haben es dann aber geschafft: Sie alle konnten an drei Wochenenden im Herbst 2009 mit gleichgesinnten Wortesammlern über Erzählzeiten und -perspektiven, über Figuren und Dialoge oder aber über Reimschemata und Rhythmus diskutieren. Sie konnten dort aber vor allem eines tun: über ihre Liebe zum Worteknobeln oder zum Geschichtenerzählen sprechen.
Zum Abschluss stellen die Jugendlichen ihre Texte dem Publikum vor. Matthias Göritz und Harriet Köhler werden durch den Abend führen und über ihre Arbeit in den Schreibwerkstätten erzählen. Im Anschluss lädt der ROTARY Club Frankfurt am Main – Städel zu einem kleinen Umtrunk ein!
Zum Lyrik-Schreibzimmer 2009 gehören: Amina Annouri (Neu-Isenburg), Yevgeniy Breyger (Magdeburg), Rebecca Brunclik (Bad Schwalbach), Giulia Daley (Frankfurt am Main), Leonie Drechsel (Darmstadt), Alex Gremm (Heppenheim), Juan Guse (Seligenstadt), Louisa Hansske-Braun (Kassel), Suneet Singh Jhutty (Frankfurt am Main), Alessa Kreikle (Dietzenbach), Ivo Krug (Groß-Umstadt), Wladislav Miretski (Frankfurt am Main), Lara Strathus (Langen), Andreas Thamm (Bamberg) und Frederik Cassian Winter (Frankfurt am Main).
Mit dabei sind im Prosa-Schreibzimmer: Bianca Bellchambers (Frankfurt am Main), Nils Fabian Brunschede (Taunusstein), Alice Bucher (Frankfurt am Main), Charlotte Busch (Darmstadt), Christian Engel (Heusenstamm), Felix Kracke (Frankfurt am Main), Sebastian Meineck (Ingelheim), Tina Mortuza (Offenbach), Karolin Obst (Frankfurt am Main) und Jule Weber (Bensheim-Zell).
Eine Veranstaltung des Jungen Literaturhauses Frankfurt.
Eintritt frei