DIE GESCHICHTE DES LITERATURHAUSES FRANKFURT
Ein Literaturhaus auch in der Main-Metropole zu errichten – das war für eine Gruppe engagierter Frankfurter Bürger 1989 ein Projekt mit Zukunft. Gemeinsam mit dem damaligen Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann ging es zunächst um Grundsätzliches: Ein Ort mußte gefunden werden, das Vereinsrecht studiert und die Institution finanziell abgesichert werden. Mit der Villa Hoffmann im Frankfurter Westend fand man ein repräsentatives Ambiente, das nicht nur für literarische Veranstaltungen sondern auch für Vermietungen zur Verfügung steht. Im Oktober 2005 zog das Literaturhaus in die wiederaufgebaute Alte Stadtbibliothek an den Main.
Seit seiner Eröffnung am 9. Januar 1991 schaut das Literaturhaus nunmehr auf eine lange Reihe von Lesungen, literarischen Veranstaltungen und Ausstellungen mit internationalen Gästen zurück: Eine kaum noch überschaubare Zahl bedeutender Schriftsteller waren und sind im Literaturhaus immer wieder zu Gast, darunter Antonio Lobo Antunes, Peter Esterházy, Robert Gernhardt, Wilhelm Genazino, Peter Handke, Judith Hermann, Elfriede Jelinek, Imre Kertész, Alexander Kluge, Mario Vargas Llosa, Javier Marías, Friederike Mayröcker, Margriet de Moor, Martin Mosebach, Les Murray, Cees Nooteboom, Amos Oz, Marcel Reich-Ranicki, Jose Saramago, Jorge Semprún, Christa Wolf und viele andere.
Das Literaturhaus Frankfurt ist ein lebendiger Ort der Begegnung und der Auseinandersetzung mit den Literaturen, Künsten, Medien und Wissenschaften unserer Gegenwart. Neben der Autorenlesung veranstaltet das Literaturhaushaus Diskussionsrunden, Symposien und Tagungen. In Zusammenarbeit mit dem Hessischen Rundfunk finden regelmäßig die Sachbuchdiskussion „Streitfall - Autoren in der Kontroverse“ sowie die Kritikerrunde "Schöne Aussichten - Das Frankfurter Literaturgespräch" statt. Im Herbst jedes Jahres sind die Autoren der Shortlist des Deutschen Buchpreises zu Gast. Im Rahmen einer Kooperation mit der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt liest der jeweilige Inhaber der Poetik-Gastdozentur zum Abschluß im Literaturhaus aus seinen Werken.
Außerdem veranstaltet das Literaturhaus Frankfurt Symposien und Tagungen – so fand im September 2004 die Erste Frankfurter Literaturbiennale statt, die sich mit der Frage beschäftigte, wie sich die zeitgenössische deutschsprachige Literatur auf dem internationalen Markt durchsetzt. Die Zweite Frankfurter Literaturbiennale im Juni 2007 hatte es sich zur Aufgabe gemacht, über fünfzig Gästen aus dem Ausland (Übersetzern, Verlegern, Journalisten und Scouts) die neuesten Veröffentlichungen von fünfzehn deutschsprachigen Autoren vorzustellen. Hinzu kommen Diskussionen zur Übersetzungsförderung und Vermittlung deutschsprachiger Bücher ins Ausland sowie Verlegergespräche und Runde Tische zum Deutschen Buchpreis. Verbunden mit der Biennale war bis 2008 die Verleihung des „DekaBank-Preises des Literaturhauses Frankfurt zur Förderung der deutschen Literatur und Wissenschaft im Ausland“.
Das Literaturhaus Frankfurt zeigte in den vergangenen Jahren Ausstellungen zu literarischen Themen, wie etwa zu Robert Walser, Ernst Jandl, Hannah Arendt und Robert Gernhardt sowie Ausstellungen, die den Bogen von der Literatur zur bildenden Kunst schlagen, wie die Photographien von Péter Nádas und Barbara Klemm, Photomalereien von Rebecca Horn zu einem Manuskript von Martin Mosebach oder die Photographie- und Wortinstallationen zu Heiner Müller von seiner Witwe Brigitte Maria Mayer.
Auch für Kinder und Jugendliche macht das Literaturhaus Frankfurt Programm: neben den Kinderbuch-Sonntagen gibt es Schreibwerkstätten für Jugendliche unter Anleitung bekannter Frankfurter Autoren wie Matthias Göritz, Marcus Roloff und Jamal Tuschick. Seit 2010 finden die Kinder- und Jugendveranstaltungen sowie Schülerlesungen unter dem Dach des Jungen Literaturhauses Frankfurt statt.
2005 erhielt das Literaturhaus Frankfurt den „Binding-Kulturpreis“ für seine Aktivitäten und seine Bedeutung für das kulturelle Leben in der Stadt Frankfurt.
Der Literaturhaus-Verein zählt mittlerweile knapp 700 Mitglieder.